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Viel Inhalt. Wenig Wirkung.

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KI, automatisiertes Marketing und die Frage, wie viel Sichtbarkeit ein Unternehmen wirklich braucht.

Künstliche Menschen erzählen absurde Geschichten, virtuelle Figuren erleben groteske Abenteuer und perfekt inszenierte Videos zeigen Dinge, die es nie gegeben hat. Auf YouTube, Instagram und TikTok verbreiten sich solche Inhalte inzwischen massenhaft. Oft nur wenige Sekunden lang, technisch beeindruckend und inhaltlich vollkommen belanglos.

Groteken

KI-generierter Kurzvideo-Content als Beispiel für „AI Slop“. Grotesk überzeichnete Figuren, Luxusinszenierung und visuelle Übertreibung dienen als Mittel zur Aufmerksamkeitserzeugung.

Quelle: YouTube, Kanal „LuxuryWheelsHub-x4x“, Standbild aus dem Short „Every Man’s Dream Toy!“, abgerufen am 28.10.2026. Originalvideo

Das Phänomen hat einen Namen: AI Slop. Inhalte, die weniger geschaffen werden, um etwas mitzuteilen, als vielmehr, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Das Prinzip lässt sich an zahlreichen KI-generierten Kurzvideos beobachten. Grotesk verzerrte Figuren, luxuriöse Sportwagen und maßlos übertriebene Inszenierungen sollen innerhalb weniger Sekunden Aufmerksamkeit erzeugen. Ob die gezeigten Szenen tatsächlich eine Geschichte erzählen oder irgendeinen Informationswert besitzen, scheint dabei zweitrangig. Entscheidend ist zunächst, dass der Zuschauer nicht weiterscrollt.

Neu ist nicht die Belanglosigkeit. Davon hatte das Internet schon immer reichlich. Neu ist die Geschwindigkeit, mit der sich solche Inhalte nahezu unbegrenzt herstellen lassen.

Und genau diese Entwicklung erreicht inzwischen auch das Marketing kleiner Unternehmen.

Was für Selbstständige zunächst nach einer großen Chance klingt, wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wird Kommunikation durch künstliche Intelligenz tatsächlich besser – oder produzieren wir künftig einfach nur mehr davon?

Wenn jeder alles produzieren kann

Noch vor wenigen Jahren erforderte die Herstellung professioneller Medieninhalte Zeit, Erfahrung und ein gewisses Budget. Videos mussten gedreht, Bilder gestaltet und Texte geschrieben werden.

Heute übernehmen KI-Werkzeuge einen wachsenden Teil dieser Arbeit. Bilder, Videos, Sprecherstimmen und Texte lassen sich generieren, anpassen und für unterschiedliche Plattformen aufbereiten.

Für kleine Unternehmen eröffnet das Möglichkeiten, die bislang häufig größeren Betrieben vorbehalten waren.

Ein Handwerker kann seine Leistungen anschaulich erklären, ein Händler Produkte präsentieren und ein Berater sein Fachwissen verständlich vermitteln. Auch ohne eigenes Marketingteam lassen sich professionelle Inhalte mit überschaubarem Aufwand erstellen.

Das ist zunächst eine erfreuliche Entwicklung.

Allerdings stehen dieselben Werkzeuge auch allen anderen zur Verfügung. Während die Menge der veröffentlichten Inhalte wächst, bleibt die verfügbare Zeit des Publikums begrenzt.

Früher war die Produktion von Medieninhalten der begrenzende Faktor. Heute wird zunehmend die menschliche Aufmerksamkeit zum knappen Gut.

Damit verändert sich eine entscheidende Frage: Nicht mehr nur, was ein Unternehmen veröffentlichen kann, sondern warum sich überhaupt jemand dafür interessieren sollte.

Neue Möglichkeiten, neue Abhängigkeiten

Die Vorteile automatisierter Medienproduktion liegen auf der Hand. KI kann Kosten senken, Arbeitsabläufe beschleunigen und dabei helfen, neue Ideen auszuprobieren.

Aus einem gut vorbereiteten Fachbeitrag lassen sich beispielsweise mehrere Veröffentlichungen entwickeln: ein Blogartikel, kurze Beiträge für soziale Netzwerke oder ein erklärendes Video. Vorhandene Informationen müssen nicht jedes Mal neu erarbeitet werden.

Gerade für Selbstständige, die ihre Öffentlichkeitsarbeit neben dem eigentlichen Tagesgeschäft erledigen, kann das eine spürbare Entlastung sein.

Doch die niedrigen Produktionskosten haben eine Kehrseite.

Wer Inhalte nahezu beliebig erzeugen kann, gerät leicht in Versuchung, möglichst viel zu veröffentlichen. Aus einer hilfreichen Arbeitserleichterung wird dann eine zusätzliche Aufgabe, die ständig neue Beiträge verlangt.

Hinzu kommt die Abhängigkeit von Plattformen und ihren Algorithmen. Was heute Aufmerksamkeit erzeugt, kann morgen schon wieder verschwinden. Selbst hohe Aufrufzahlen garantieren weder langfristige Sichtbarkeit noch wirtschaftlichen Erfolg.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, wie günstig sich Inhalte produzieren lassen, sondern welchen Nutzen sie tatsächlich bringen.

Viel Reichweite. Aber für wen?

Stellen wir uns einen kleinen Tischlereibetrieb vor.

Er veröffentlicht ein spektakuläres KI-Video mit futuristischen Werkstätten, riesigen Maschinen und ungewöhnlichen Möbeln. Hunderttausend Menschen sehen es. Tausende reagieren darauf.

Ein Erfolg?

Vielleicht. Aber wissen die Zuschauer jetzt, welche Möbel der Betrieb tatsächlich herstellt? Haben sie etwas über seine handwerkliche Qualität erfahren? Ist daraus auch nur eine konkrete Anfrage entstanden?

Nehmen wir ein anderes Video.

Derselbe Tischler zeigt, warum er bei einem bestimmten Möbelstück eine traditionelle Holzverbindung verwendet. Er erklärt die Vorteile, demonstriert einen Arbeitsschritt und vermittelt dabei etwas von seiner Erfahrung.

Dieses Video erreicht nur achthundert Menschen. Einige leben in seiner Region, drei interessieren sich anschließend für seine Arbeit.

Welcher Beitrag war erfolgreicher?

Natürlich hängt die Antwort vom jeweiligen Unternehmensziel ab. Wer eine internationale Marke aufbauen möchte, bewertet Reichweite anders als ein regionaler Handwerker.

Für viele kleinere Unternehmen zählt jedoch nicht die größtmögliche Zahl an Zuschauern, sondern die Aufmerksamkeit der richtigen Menschen.

Reichweite ist eine Kennzahl. Vertrauen ist ein Unternehmenswert.

Und zwischen beidem besteht nicht zwangsläufig ein Zusammenhang.

Die Glaubwürdigkeitsfalle

Mit der zunehmenden Verbreitung künstlich erzeugter Inhalte wächst auch die Skepsis der Verbraucher.

Eine Gartner-Untersuchung vom September 2026 zeigt, dass 65 Prozent der befragten US-Verbraucher meinen, Unternehmen produzierten zu viele KI-generierte Marketinginhalte. 57 Prozent gaben an, dass solche Inhalte ihr Vertrauen in Markenbotschaften verringert hätten.

Armd ki marketing vertrauen

Gartner, US-Verbraucherbefragung 2026

Auch wenn sich diese Ergebnisse nicht unmittelbar auf Deutschland übertragen lassen, deutet sich ein interessantes Problem an: Was Unternehmen als moderne und effiziente Kommunikation betrachten, muss beim Publikum keineswegs so ankommen.

Dabei ist nicht entscheidend, ob ein Bild, ein Video oder eine Figur mithilfe von KI entstanden ist.

Entscheidend ist, was damit vermittelt wird.

Ein künstlich erzeugtes Erklärvideo kann hilfreich und überzeugend sein. Eine erfundene Person, die sich als zufriedener Kunde ausgibt, überschreitet dagegen eine Grenze.

Ähnliches gilt für virtuelle Markenfiguren. Sie können unterhalten, komplexe Themen erklären und einem Unternehmen ein unverwechselbares Gesicht geben. Wenn sie zur Marke passen und ihr künstlicher Charakter erkennbar bleibt, spricht grundsätzlich wenig dagegen.

Problematisch wird es, wenn eine künstliche Inszenierung eine Wirklichkeit vortäuscht, die mit dem tatsächlichen Unternehmen nichts mehr zu tun hat.

Gerade kleinere Betriebe besitzen häufig einen Vorteil, den große automatisierte Content-Maschinen nur schwer nachbilden können: persönliche Erfahrung, nachvollziehbare Leistungen und echte Beziehungen zu ihren Kunden.

Warum sollten sie ausgerechnet darauf verzichten?

Die versteckten Kosten der Content-Flut

Automatisierte Inhalte gelten oft als besonders günstig. Doch geringe Produktionskosten bedeuten nicht zwangsläufig wirtschaftliche Effizienz.

Auch KI-generierte Beiträge benötigen eine Idee, Kontrolle und gegebenenfalls Nachbearbeitung. Informationen müssen geprüft, rechtliche Fragen berücksichtigt und Ergebnisse ausgewertet werden.

Ein künstlich erzeugtes Produktbild darf keine Eigenschaften versprechen, die das Produkt nicht besitzt. Ein automatisch verfasster Fachbeitrag sollte keine falschen Behauptungen verbreiten. Und wer synthetische Personen einsetzt, muss sich mit Transparenz und möglichen Kennzeichnungspflichten beschäftigen.

Dazu kommt ein einfacher wirtschaftlicher Gedanke: Jede Stunde, die ein Selbstständiger in die Pflege seiner Social-Media-Kanäle investiert, fehlt möglicherweise an anderer Stelle.

Wenn aus eingesparter Produktionszeit lediglich eine höhere Veröffentlichungsfrequenz entsteht, ist noch nichts gewonnen.

Mehr Inhalte sind kein wirtschaftlicher Vorteil, solange ihr Nutzen unklar bleibt.

Gute Ideen werden nicht automatisch erzeugt

Vielleicht liegt die größte Chance künstlicher Intelligenz im Marketing deshalb ganz woanders.

Nicht darin, möglichst viele Inhalte zu produzieren, sondern gute Ideen mit weniger Aufwand umzusetzen.

Ein Handwerksbetrieb verfügt über Erfahrungen, interessante Projekte und praktische Lösungen. Ein Händler kennt seine Produkte und die Fragen seiner Kunden. Ein Dienstleister besitzt Fachwissen, das anderen Menschen weiterhelfen kann.

Darin steckt bereits eine Fülle relevanter Themen.

KI kann unterstützen, diese Informationen zu strukturieren, verständlich aufzubereiten oder visuell darzustellen. Sie kann Arbeitsabläufe vereinfachen und neue gestalterische Möglichkeiten eröffnen.

Die Grundlage guter Kommunikation bleibt jedoch dieselbe: ein nachvollziehbarer Gedanke, eine klare Aussage und das Verständnis für die Menschen, die erreicht werden sollen.

Daran ändert auch die leistungsfähigste Technologie nichts.

Je einfacher Inhalte produziert werden können, desto wertvoller wird die Fähigkeit, zu entscheiden, welche Inhalte überhaupt produziert werden sollten.

Weniger produzieren. Mehr zu sagen haben.

Künstliche Intelligenz wird die Unternehmenskommunikation weiter verändern. Gerade kleine Unternehmen können davon profitieren, weil professionelle Medienproduktion einfacher und wirtschaftlich zugänglicher wird.

Doch Sichtbarkeit allein ist kein Unternehmensziel. Sie muss einen Zweck erfüllen.

Wer nur veröffentlicht, weil die Technik es ermöglicht, verwechselt Kommunikation mit Produktion. Wer dagegen seine Erfahrung, seine Leistungen und seine Haltung sichtbar macht, kann KI als wirkungsvolles Werkzeug einsetzen.

Vielleicht wird die entscheidende Fähigkeit im Marketing deshalb künftig nicht darin bestehen, immer mehr Inhalte zu erzeugen.

Sondern darin, zu erkennen, welche wirklich etwas beitragen.

Denn nur weil wir heute nahezu alles erzeugen können, muss daraus noch lange nicht alles entstehen.