Ein Projekt in zwei Anläufen
Die ersten Überlegungen für einen Relaunch entstanden bereits 2022. In dieser Phase wurden grundlegende Strukturen, erste Gestaltungsansätze und eine technische Testumgebung entwickelt. Im Verlauf zeigte sich jedoch, dass die Aufgabe umfangreicher war als zunächst angenommen. Anforderungen konkretisierten sich, andere Kommunikationsaufgaben rückten in den Vordergrund und das Webprojekt wurde zunächst zurückgestellt.
Ende 2024 begann der zweite Anlauf. Die Erfahrungen aus der ersten Phase flossen dabei unmittelbar in ein überarbeitetes Konzept ein. Statt den ursprünglichen Entwurf lediglich fortzuführen, wurde die Struktur neu bewertet und die Gestaltung deutlich konsequenter entwickelt.
Damit begann die eigentliche Form des heutigen Webauftritts.
Ein Raster als gestalterische Idee
Zentrales Element wurde ein modulares Bento-Raster. Unterschiedlich große Flächen ermöglichen es, Texte, Bilder, Informationen und Handlungsaufforderungen flexibel miteinander zu kombinieren und dennoch eine wiederkehrende Ordnung beizubehalten.
Gerade für die sehr unterschiedlichen Inhalte erwies sich dieses Prinzip als passend. Eine Unternehmensgeschichte verlangt eine andere Darstellung als eine Produktübersicht, eine Karriereseite oder Informationen zum Qualitätsmanagement. Statt alle Seiten in dasselbe Schema zu pressen, entstand ein System aus wiederkehrenden Elementen, das unterschiedliche Gewichtungen zulässt.
Mit den ersten umfangreicheren Inhalten Anfang 2025 nahm dieses System zunehmend Gestalt an. Bereiche zu Qualität, Personal und Kontakt entstanden, weitere Unterseiten wurden neu aufgebaut und vorhandene Inhalte in die neue Struktur übertragen.
Auch die Gestaltung entwickelte sich mit den realen Inhalten weiter. Typografie, Abstände, Flächen, Verläufe und Farbigkeit wurden immer wieder im Zusammenspiel überprüft. Ein kräftiges Grün setzte sich schließlich als prägnante Akzentfarbe durch und gibt dem digitalen Auftritt einen hohen Wiedererkennungswert.
Produkte zwischen Zeichnung und Wirklichkeit
Eine besondere gestalterische Aufgabe war die Präsentation der Produkte. Filtertüten und Spezialpapiere sind funktionale Erzeugnisse – für eine visuell eigenständige Darstellung auf einer Unternehmenswebseite zunächst kein selbstverständliches Motiv.
Statt die Produktwelt ausschließlich über klassische Fotografien abzubilden, entstand deshalb eine eigene Bildidee: Die Produkte erscheinen als Collagen aus Zeichnung, Skizze und konstruktiven Elementen – bewusst angelehnt an ein Entwurfsstadium.
Dafür wurden geeignete Vorlagen recherchiert, zeichnerische Grundlagen erstellt und anschließend zu einer gemeinsamen Bildsprache weiterentwickelt.
Diese Darstellungen geben den Produktbereichen einen eigenständigen Charakter und verbinden technische Präzision mit einer bewusst gestalterischen Ebene. Gleichzeitig entstand damit eine Bildsprache, die sich auch außerhalb der Webseite weiterführen ließ.
Wenn aus Gestaltung eigene Werkzeuge entstehen
Mit der zunehmenden Ausarbeitung wuchsen auch die technischen Anforderungen. Responsive Typografie wurde dynamischer umgesetzt, die Bento-Elemente der Übersichtsseiten erhielten gezielte Hover- und Bewegungseffekte und bestehende Komponenten wurden dort ersetzt, wo sie gestalterisch oder technisch an ihre Grenzen kamen.
Ein Beispiel dafür ist die Unternehmenschronik. Eine zunächst eingesetzte Timeline-Lösung erwies sich insbesondere in der mobilen Darstellung als zu unflexibel. An ihre Stelle trat schließlich ein eigenes Modul, das Inhalt, Gestaltung und responsives Verhalten wesentlich genauer zusammenführt.
Auch die Abstimmung der inzwischen umfangreichen Inhalte bekam einen eigenen technischen Prozess. Für die abschließende Korrektur wurde ein direktes Feedbacksystem in die Webseite integriert. Hinweise zu Formulierungen, Schreibweisen, Maßeinheiten oder einzelnen Darstellungen konnten damit unmittelbar an der jeweiligen Stelle gesammelt und anschließend systematisch abgearbeitet werden.
So entstanden im Laufe des Projektes nicht nur neue Seiten, sondern zunehmend Lösungen, die sich unmittelbar aus den Anforderungen des Projektes entwickelten.
Zwei Sprachen, ein Auftritt
Nach Fertigstellung der deutschen Inhalte folgte mit der englischen Sprachversion der letzte große Ausbau vor dem Start.
Die bestehende Seitenstruktur wurde vollständig zweisprachig eingerichtet. Dabei mussten Navigation, unterschiedliche Textlängen und Seitenelemente ebenso berücksichtigt werden wie Inhalte, die verbindlich vorgegeben waren.
Automatisierte Übersetzung unterstützte die Übertragung der umfangreichen Inhalte, während Struktur und Gestaltung in beiden Sprachversionen konsistent blieben.
Damit wurde aus dem neuen Webauftritt eine Plattform, die auch der internationalen Ausrichtung des Unternehmens Rechnung trägt.
Online ist nicht fertig
Im Frühjahr 2026 ging die neue Webseite schließlich online. Die bisherige Präsenz wurde abgelöst, die vorbereitete Domainstruktur umgestellt und das Projekt in der Endphase um zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergänzt.
Seitdem wird die Webseite kontinuierlich betreut. Technische Aktualisierungen, Anpassungen an veränderte rechtliche Anforderungen, die Pflege aktueller Stellenausschreibungen sowie kleinere Optimierungen an Darstellung und Übersetzungen gehören zur laufenden Weiterentwicklung.
Denn ein Webprojekt dieser Größe endet nicht mit dem Moment der Veröffentlichung. Es wird genutzt, verändert sich und stellt mit der Zeit neue Anforderungen. Die technische Grundlage muss diese Entwicklung nicht nur zulassen, sondern möglichst lange mittragen.
Aus einzelnen Anwendungen wurde eine gemeinsame Linie.
Aus Struktur wurde Form – und aus Form Wirkung.
Manches führt über den Bildschirm hinaus
Die Arbeit an der Webseite blieb nicht auf den digitalen Auftritt beschränkt. Besonders die für die Produktbereiche entwickelte Bildsprache gab den Anstoß, bestehende Kommunikationsmittel auch außerhalb des Webs neu zu betrachten.
Die vorhandenen Produktblätter wurden gestalterisch überarbeitet und in eine gemeinsame Linie überführt. Typografie, Farbigkeit, Informationshierarchie und die neuen Produktillustrationen griffen dabei die Prinzipien auf, die zuvor für die Webseite entwickelt worden waren.
Im Laufe der Jahre kamen weitere Anwendungen hinzu. Dazu gehörten Flyer und Plakate für die Personalgewinnung, grafische Elemente für die Geschäftsausstattung sowie Beiträge für verschiedene Social-Media-Kanäle. Eine besondere gestalterische Herausforderung stellte das Redesign der Verpackungen für die Hausmarke „EMMA“ dar. Jede dieser Aufgaben brachte eigene Anforderungen mit sich, knüpfte aber an die bereits entwickelte Bildsprache an.
Was zunächst für einen Bildschirm entwickelt worden war, wurde damit zu einer gestalterischen Klammer für sehr unterschiedliche Anwendungen – nicht als nachträglich definierte Corporate Identity, sondern als Gestaltungssystem, das sich aus den konkreten Aufgaben heraus entwickelt hat.